Oliver Bearman gibt nach seinem 50-G-Unfall in Japan Entwarnung … und weist auf die Missstände im System hin

Oliver Bearman gibt nach seinem 50-G-Unfall in Japan Entwarnung … und weist auf die Missstände im System hin
Bildnachweis: Portrait d'Oliver Bearman au Grand Prix du Japon 2026 à Suzuka. Crédit photo Overtake Agency / Kohei Hirota

Oliver Bearman, der beim Grand Prix von Japan einen schweren Unfall erlitten hatte, hat sich zu Wort gemeldet. Der britische Haas-Pilot, der bei einem Aufprall mit über 300 km/h einer Beschleunigung von 50 G ausgesetzt war, gibt sich hinsichtlich seines Gesundheitszustands zuversichtlich … und spricht gleichzeitig die Grenzen des aktuellen Reglements an.

Das Bild hatte das Fahrerlager beeindruckt. In der 22. Runde in Suzuka geriet Oliver Bearman ins Schleudern, nachdem er dem um etwa zehn km/h langsameren Rennwagen von Franco Colapinto ausweichen musste. Die Folge: ein Abkommen von der Strecke und ein heftiger Aufprall gegen die Leitplanken.

Als er aus dem Auto stieg, wirkte der 20-jährige Fahrer sichtlich angeschlagen, insbesondere am rechten Knie, sodass er von den Streckenposten gestützt werden musste. Grund genug für echte Besorgnis.

Die medizinischen Untersuchungen schlossen schließlich jegliche Fraktur aus und bestätigten eine Prellung. Das reichte aus, um ihn vorübergehend aus dem Rennen zu nehmen, hatte aber keine schwerwiegenden Folgen.

In einem Interview mit SPORTbible wollte Bearman selbst beruhigen: Er erklärt, dass die Genesung nicht einfach war, insbesondere aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit in den Stunden nach dem Unfall, versichert aber heute, dass es ihm gut geht.

„Es hätte viel schlimmer kommen können“

Mit etwas Abstand wird dem Briten vor allem die Wucht des Aufpralls bewusst.

Im Bewusstsein, nur knapp an etwas viel Schwerwiegenderem vorbeigeschrammt zu sein, ist er dankbar, dass er schon bald eine Rückkehr auf die Rennstrecke ins Auge fassen kann. Das Comeback in Miami Anfang Mai hat er klar im Visier.

Doch über seinen persönlichen Fall hinaus spricht Bearman ein Thema an, das im Fahrerlager zunehmend für Unruhe sorgt: die Geschwindigkeitsunterschiede im Zusammenhang mit dem Energiemanagement.

Seiner Meinung nach ist der Vorfall in Suzuka kein einfacher Fahrfehler. Er verdeutlicht eine strukturelle Fehlentwicklung der neuen Rennwagen. In einem Interview auf dem Kanal Up To Speed (YouTube) erklärt der Brite, dass der Vorfall in Suzuka weit über einen einfachen Fahrfehler hinausgeht. Er spricht von einem Geschwindigkeitsunterschied von etwa 50 km/h zum Zeitpunkt des Vorfalls – ein Abstand, der bei Zweikämpfen auf der Strecke mittlerweile ungewöhnlich geworden ist.

In diesem Zusammenhang wird jede noch so kleine Abwehrbewegung potenziell gefährlich. Was auf dem Papier wie eine klassische Abwehr aussieht, kann bei hoher Geschwindigkeit schnell zu einer Falle werden.

Fahrer bereits in Alarmbereitschaft

Bearman verrät übrigens, dass das Thema bereits am Freitag in Suzuka unter den Fahrern angesprochen worden war. Eine einfache Bitte war geäußert worden: sich in Verteidigungsphasen mehr Spielraum zu lassen.

Zwei Tage später verdeutlichte der Unfall genau das Gegenteil. Unter diesen Umständen ist es schwer, von einem einfachen Rennunfall zu sprechen.

Der Brite zögert nicht, die Situation als „inakzeptabel“ zu bezeichnen, da er der Ansicht ist, dass das Problem über das bloße individuelle Verhalten hinausgeht und direkt mit den aktuellen Eigenschaften der Rennwagen zusammenhängt.

Der Fall „Lift and Coast“

Ein weiteres Ziel in seinem Visier: das „Lift and Coast“, das mittlerweile allgegenwärtig ist … sogar im Qualifying.

Bearman nimmt kein Blatt vor den Mund. Er hält es für kontraintuitiv, während einer schnellen Runde mitten auf der Geraden vom Gas gehen zu müssen, nur um die Energie zu sparen.

Eine fast groteske Situation auf diesem Wettbewerbsniveau, wo jede Tausendstelsekunde zählt und wo man geradezu erwartet, dass die Fahrer ihren Rennwagen zu 100 % ausnutzen.

Sein Vorschlag ist klar: eine effizientere Energierückgewinnung bei voller Last ermöglichen, um diese Phasen der Energieverwaltung in der Qualifikation zu vermeiden.