„Ich denke nicht an die Meisterschaft“: George Russell bewahrt gegenüber Kimi Antonelli einen kühlen Kopf
George Russell, nach drei Rennen solider Zweiter in der Meisterschaft, geht mit einer insgesamt sehr einfachen Strategie in die Fortsetzung der Saison in Miami: sich auf sich selbst konzentrieren. Zwischen der internen Rivalität mit Kimi Antonelli, seinen Entwicklungszielen und seiner Vertragslage hat der Brite Bilanz gezogen.
Ein solider Saisonstart… und eine Dynamik, die es aufrechtzuerhalten gilt
Als Zweiter in der Meisterschaft hinter seinem Teamkollegen Kimi Antonelli hat George Russell einen guten Saisonstart hingelegt. Nach seinem Sieg in Australien sah er, wie der Italiener in China und Japan nachlegte, was zu einem ebenso interessanten wie heiklen internen Duell führte.
Kurz vor dem Grand Prix von Miami, dem ersten Rennen nach der Aprilpause, zeigt sich der Mercedes-Pilot ausgesprochen gelassen. „Ich habe mich vor der Pause sehr gut gefühlt, und das ist auch heute noch der Fall“, verriet er F1.com.
Russell ist sich der Ermüdung durch die vielen aufeinanderfolgenden Rennen bewusst und erinnert an eine oft vergessene Tatsache: Alle haben die gleichen Karten auf der Hand. Der Brite hat diese Pause übrigens genutzt, um intensiv mit seinem Team zu arbeiten, insbesondere am Simulator, um einige „unvorhergesehene Ereignisse“ zu korrigieren, die zu Beginn der Saison aufgetreten waren.
Ein Duell, das er annimmt … aber ohne Besessenheit
Gegen Antonelli ist der Kampf sehr real. Doch Russell weigert sich, in die Falle eines Duells zu tappen, das zu sehr in den Vordergrund rücken würde. „Mercedes wird uns zu 100 % die gleichen Chancen geben, wie immer.“
Ein bewusster Verweis auf die Ära Hamilton–Rosberg, in der das Team aus Brackley seine Fahrer bereits auf Augenhöhe gegeneinander antreten ließ – manchmal bis zum Funkenflug.
Dennoch behält Russell einen kühlen Kopf. „Ich hoffe, dass wir die einzigen beiden sind, die um den Titel kämpfen, aber man darf sich nicht zu sehr mitreißen lassen.“
Und das aus gutem Grund: Die jüngste Geschichte der Formel 1 ist voller Wendungen. Er selbst verweist auf das Jahr 2022, als Ferrari unantastbar schien … bevor Red Bull den Spieß umdrehte.
Zwischen den Zeilen eine klare Botschaft: Die Meisterschaft entscheidet sich über die gesamte Saison, nicht über drei Rennen.
McLaren lauert, Mercedes auf dem richtigen Weg
Russell verliert auch die Konkurrenz nicht aus den Augen. Vor allem McLaren bleibt im Visier. „In Suzuka hätte Piastri ohne das Safety Car gewinnen können.“
Ein Beweis dafür, dass der Abstand trotz einer als „sehr solide“ eingeschätzten Basis bei Mercedes gering bleibt. Die Übereinstimmung zwischen der Strecke und dem Simulator ist gut – ein Schlüsselindikator in der modernen Entwicklung –, aber der Brite weiß, dass sich die Hierarchie schnell ändern kann.
„Ich konzentriere mich auf mich selbst“
Das ist zweifellos der Satz, der seine Herangehensweise am besten zusammenfasst. „Ich denke nicht an Kimi, ich denke nicht an die Meisterschaft. Ich konzentriere mich auf mich selbst.“
Eine fast schon strenge, aber äußerst wirksame Philosophie. Russell setzt auf Beständigkeit: an guten Tagen große Punkte holen, an schwierigen Tagen den Schaden begrenzen. Ein Ansatz wie von einem alten Hasen … mit 28 Jahren.
Der Brite nennt übrigens mehrere ganz konkrete Bereiche, in denen er sich verbessern will: die Starts, die Neustarts nach Safety-Car-Phasen und bestimmte Verfahrensfehler.
Er nennt insbesondere Japan, wo ihm diese Details im Duell mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc teuer zu stehen kamen. „Wenn ich diese Punkte korrigiere, werden wir in einer ganz anderen Situation sein.“
Nichts Spektakuläres, aber in der Formel 1 sind es oft diese kleinen Sandkörner, die die großen Maschinen zum Stillstand bringen.
Miami im Visier, ohne unnötigen Druck
Der nächste Termin findet in Miami statt, einer Rennstrecke, auf der sich Antonelli im vergangenen Jahr besonders hervorgetan hatte. Grund für zusätzlichen Druck? Nicht wirklich. „Das war seine Lieblingsstrecke, aber ich hatte 20 andere, auf denen ich mich sehr wohlfühlte.“
Die Antwort klingt fast schon verschmitzt. Russell weigert sich, einem einzelnen Rennwochenende zu viel Bedeutung beizumessen. Auch hier betrachtet er das Ganze aus einer übergeordneten Perspektive.
Auch in der Frage seines Vertrags zeigt sich Russell ebenso gelassen. Da er bereits für 2026 an der Seite von Antonelli bestätigt ist, wischt er alle Fragen mit einer Handbewegung beiseite: „Ich werde nächstes Jahr dabei sein, das ist alles.“
Ein Mehrjahresvertrag, eine stabile Beziehung zu Mercedes und ein selbstbewusstes Vertrauen in seine Fähigkeit, die gesetzten Ziele zu erreichen. Kurz gesagt: keine Wolken am Horizont – zumindest vorerst.
Ein reifer Ansatz in einem angespannten Umfeld
In einer Saison, die hart umkämpft zu werden verspricht, geht George Russell methodisch vor. Keine lautstarken Äußerungen, kein Psychokrieg: nur Arbeit, Analyse und eine klare Linie.
Altmodisch, werden manche sagen. Doch in einem oft unruhigen Fahrerlager könnte diese Besonnenheit den Ausschlag geben, wenn es darauf ankommt.
Und wie es in den alten Ratgebern des Motorsports heißt: Nicht immer gewinnt der Schnellste … sondern oft der Beständigste.