Sebastian Vettel wechselt zu Ferrari, um die Erinnerungen an die Misserfolge der Alonso-Ära auszulöschen. Wird der vierfache Weltmeister dieser vielleicht größten Herausforderung seiner Karriere gewachsen sein?
Die Saison 2014 von Ferrari ist zu einem anschaulichen Beispiel dafür geworden, wie schnell ein legendäres Team zusammenbrechen kann. Die Scuderia, die keinen einzigen Grand Prix gewann (zum ersten Mal seit 1992, als Jean Alesi und Ivan Capelli am Steuer saßen), geriet in die Fänge neuer technischer Vorschriften, die Fernando Alonso jede realistische Hoffnung auf den Titel nahmen und das anerkannte Talent von Kimi Räikkönen ungenutzt ließen. Die Schwierigkeiten auf der Rennstrecke waren nur die Spitze des Eisbergs; hinter den Kulissen kam es zu einem bekannten italienischen Machtkampf, der zur Entlassung langjähriger Persönlichkeiten wie Stefano Domenicali, Luca di Montezemolo und zuletzt Marco Mattiacci führte.
Inmitten dieses Chaos gab es am Vorabend des Grand Prix von Japan einen Hoffnungsschimmer: die Verpflichtung von Sebastian Vettel. Der vierfache Weltmeister, der eine schwierige Saison bei Red Bull hinter sich hat, wo er von seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo in den Schatten gestellt wurde, wird zu einem komplett umstrukturierten Ferrari-Team wechseln. Mit Sergio Marcchione als Präsident und Maurizio Arrivabene als Sportdirektor wird die Hierarchie des Teams derzeit umgestaltet, während eine Welle von Ingenieuren und Mechanikern, von denen viele Alonso wahrscheinlich an einen anderen Ort folgen werden, sich auf den Abschied vorbereitet.
Vettels Wechsel wird sowohl für den Fahrer als auch für das Team als Neuanfang dargestellt. Befreit von der Last der Misserfolge, die Ferrari fünf Jahre lang verfolgt haben, wechselt er zu einem Team, das auf dem Papier mit ihm und Räikkönen drei Weltmeistertitel vorweisen kann. Die Begeisterung des Deutschen für das springende Pferd ist unbestritten, und seine Verbundenheit mit Räikkönen könnte seine Integration erleichtern. Aber Vettel ist auch realistisch: Er hat bereits gewarnt, dass der Kampf um die Meisterschaft oder regelmäßige Siege für Ferrari nicht sofort auf der Tagesordnung stehen werden, zumal er das Auto für 2015 noch nicht getestet hat.
Der Weg scheint lang, aber das Szenario ist bekannt. So wie Vettel Red Bull dabei half, aus der Anonymität zur Dominanz zu gelangen, könnte er nun der Katalysator sein, den Ferrari braucht, um das Blatt zu wenden. Die Geschichte, das Gewicht des Erbes von Enzo Ferrari und das Versprechen eines verjüngten Managementteams werden alle eine Rolle dabei spielen, zu entscheiden, ob dieses neue Kapitel es der Scuderia endlich ermöglichen wird, das Desaster von 2014 hinter sich zu lassen.