Nachdem Daniil Kvyat in China sein erstes Podium des Jahres errungen hat und Daniel Ricciardo in den ersten drei Rennen jeweils Vierter wurde, hat sich Red Bull als ernstzunehmender Konkurrent von Ferrari etabliert. Die entscheidende Frage ist nun, ob das österreichische Team diese Dynamik aufrechterhalten oder sogar noch steigern kann.
Die Rennstrecke von Shanghai wurde zum Testgelände für den angeschlagenen RB12 von Red Bull, und die Daten aus dem Grand Prix von China erzählen eine Geschichte, die nur wenige erwartet hätten. Das Rennen selbst war zwar turbulent – eine chaotische erste Runde, zahlreiche Zweikämpfe auf der Strecke und eine Safety-Car-Phase, die die Reihenfolge der Fahrer durcheinanderbrachte –, doch das eigentliche Highlight war die unerwartete technische Renaissance des österreichischen Rennstalls.
Hinter dem Emblem des Renault-Motors, der nun in Tag Heuer umbenannt wurde, hatte der Motor Schwierigkeiten, seine Leistung von 2023 zu erreichen, sodass das Chassis als einziger Hebel für Verbesserungen übrig blieb. Die Ingenieure haben offenbar ein verstecktes Aerodynamikpaket entwickelt, das den Leistungsdefizit ausgleicht und es dem RB12 ermöglicht, trotz seiner mäßigen Leistungen in den Wintertests an der Spitze des Feldes zu fahren.
Dieses Paket hat sich für die Fahrer ausgezahlt. Daniel Ricciardo, der in Shanghai eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen musste, holte seinen dritten vierten Platz in Folge, ein Ergebnis, das er gegenüber den Medien als „über meine Erwartungen zu Beginn des Jahres hinausgehend” bezeichnete. Sein Selbstvertrauen war offensichtlich, und er lobte immer wieder das neu entdeckte „Potenzial” des Autos, eine Einschätzung, die auch vom technischen Personal des Teams geteilt wurde.
Daniil Kvyat hingegen verwandelte einen schwierigen Saisonstart dank einer aggressiven Strategie und einer fehlerfreien Ausführung in einen Podiumsplatz. Im Interviewbereich nach dem Rennen stand seine Gelassenheit in starkem Kontrast zu der Frustration von Sebastian Vettel, der von Anfang an überholt worden war, was die veränderte Dynamik im Mittelfeld unterstrich. Das Rennen verdeutlichte auch die allgemeinen Umstände, von denen Red Bull profitierte. Die Abwesenheit von Lewis Hamilton hinterließ eine Lücke an der Spitze, während Ferrari weiterhin mit Zuverlässigkeitsproblemen zu kämpfen hatte, sodass das österreichische Team von einem relativ offenen Feld profitieren konnte. Ricciardos Aufholjagd vom Ende des Feldes, unterstützt durch den Einsatz des Safety Cars, und Kvyats Fähigkeit, einem späten Angriff von Kimi Räikkönen und dem finalen Comeback von Hamilton standzuhalten, unterstreichen die Bedeutung dieses Moments noch einmal zusätzlich.
Die nächsten Rennen werden zeigen, ob dieser Aufschwung von Dauer ist oder nur das Ergebnis günstiger Umstände. Kvyat kehrt mit Rückenwind vor heimischem Publikum zum Grand Prix von Russland zurück, und Ricciardo muss seine Schnelligkeit nicht mehr unter Beweis stellen. Die nächsten Rennen werden zeigen, ob der aerodynamische Durchbruch von Red Bull zu einer konstanten Herausforderung für die Meisterschaft führen kann oder ob die aktuelle Form im Laufe der Saison nachlassen wird.