AlphaTauri hat beschlossen, Liam Lawson nicht als Stammfahrer für die nächste F1-Saison zu behalten, sondern setzt stattdessen auf die Erfahrung von Daniel Ricciardo. Aber ist das die richtige Entscheidung?
Er hat allen Grund, verärgert zu sein. Zum Glück sind die All Blacks gerade in Frankreich bei der Rugby-Weltmeisterschaft beschäftigt, sonst hätten Bauden Barrett und seine Teamkollegen vielleicht einige Büros gestürmt. Liam Lawson, der in letzter Minute in die Niederlande gerufen wurde, um Daniel Ricciardo zu ersetzen, hat bewiesen, dass er in der Formel 1 mithalten kann. In nur drei Rennen hat er Yuki Tsunoda seit Beginn der Saison übertroffen, und bei AlphaTauri ist er der einzige Fahrer, der den neunten Platz belegt hat, was etwa 40 % der Punkte des Teams ausmacht.
Viele Experten sind der Meinung, dass der Ersatz von Lawson durch Ricciardo ein Fehler der Muttergesellschaft von Red Bull war. Der Australier ist zwar einer der erfahrensten Fahrer auf der Rennstrecke, aber wird er wieder zu seiner alten Form zurückfinden können? Die Antwort ist ungewiss. Darüber hinaus ist es das Ziel von AlphaTauri, junge Talente zu fördern, und mit 34 Jahren und acht Grand-Prix-Siegen ist Ricciardo sicherlich kein Anfänger mehr.
Der „Honey Badger” ist zweifellos eine der beliebtesten Figuren im Fahrerlager und verdient einen Platz im Cockpit sicherlich mehr als einige andere Kandidaten, wie beispielsweise der Kanadier und der Amerikaner. Dennoch „stiehlt” er in gewisser Weise einen Platz, der einem aufstrebenden Star zustehen könnte, der darauf wartet, sich zu beweisen. Man muss auch die Sichtweise der Geschäftsführung von Red Bull und AlphaTauri berücksichtigen. Die Ergebnisse von Sergio Pérez haben die Erwartungen nicht erfüllt, und da sein Vertrag bis 2024 läuft, macht es vor allem aus finanzieller Sicht wenig Sinn, den mexikanischen Fahrer zu entlassen. Ricciardo eine Chance zu geben, sich zu beweisen und vielleicht ins Seniorenteam zurückzukehren, könnte ein gangbarer Plan für 2025 sein. Gleichzeitig läuft Red Bull Gefahr, einen aggressiven jungen Fahrer zu übersehen, der bereits beeindruckende Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat.
In den vier Grand Prix, die Lawson für AlphaTauri gefahren ist, hat er alle beeindruckt. Die Geschichte liefert uns jedoch ein lehrreiches Beispiel: Nyck de Vries glänzte bei einem einzigen Auftritt, bevor er in den folgenden elf Rennen schwächelte, was zu seiner Entlassung führte. AlphaTauri könnte befürchten, dass sich dieses Szenario mit Lawson wiederholt. Diese Sorge ist verständlich, aber das Team sollte darauf achten, dass ihm kein echtes Talent durch die Lappen geht.