McLaren forderte Lando Norris auf, während der langen Stints die Führung an Oscar Piastri abzugeben, und der Australier gehorchte schließlich und ließ seinen Teamkollegen in der Boxengasse überholen, was zu Spannungen in der Box führte.
Das interne Drama bei McLaren erreichte in Ungarn seinen Höhepunkt, wo der hart erkämpfte erste Sieg von Oscar Piastri von Kontroversen überschattet war und Fragen zur Hierarchie im Team aufwarf. Der Triumph des Australiers, der 115. Sieg in der Geschichte der Formel 1, kam nach einem spannenden Duell über fünfzehn Runden mit seinem Teamkollegen Lando Norris zustande, das die Komplexität moderner Teamorder deutlich machte.
Norris, der von der Pole Position gestartet war, wurde von Piastri in der ersten Kurve überholt und fuhr dann ein nahezu perfektes Rennen bis zum letzten Boxenstopp. McLaren entschied sich, Norris als Ersten an die Box zu holen, offenbar um ihn vor dem weit zurückliegenden Lewis Hamilton zu schützen, aber dieses Timing verschaffte ihm auch einen strategischen Vorteil. Diese Entscheidung bereitete den Boden für eine Konfrontation: Die Ingenieure drängten Norris, langsamer zu fahren und Piastri vorbeizulassen, aber der britische Fahrer antwortete über Funk: „Er muss mich schon einholen“, und behielt seine Position bei, als das Rennen in die Schlussphase ging. Erst als das Team ihn an die Bedeutung der Gesamtmeisterschaft erinnerte („Wenn du die Meisterschaft gewinnen willst, brauchst du Oscar und das Team“), gab Norris nach. Drei Runden vor dem Ziel verlangsamte er sein Tempo und überließ seinem Landsmann den zweiten Platz. Dieses Zugeständnis ermöglichte es McLaren, das Rennen als Sieger zu beenden, aber Norris war sichtlich niedergeschlagen, sein Ego durch dieses erzwungene Opfer verletzt. Diese Episode erinnert an den berühmten Ferrari-Fall von 2002, in dem Rubens Barrichello angewiesen wurde, Michael Schumacher den Sieg zu überlassen, was eine neue Welle der Kritik an den von den Teams diktierten Ergebnissen auslöste. Auch wenn die Umstände unterschiedlich sind, ist die Parallele kaum zu übersehen: Piastris erster Sieg gleicht weniger einer Solo-Errungenschaft als vielmehr dem Ergebnis einer strategischen Manipulation. Über die unmittelbaren Auswirkungen hinaus könnte dieser Vorfall auch längerfristige Folgen haben. Wenn sich die internen Spannungen verschärfen, könnten Rivalen wie Max Verstappen davon profitieren, so wie sich 1986 das Schicksal von Alain Prost gewendet hat. McLaren, das nach 16 Jahren ohne Titel wieder an den Erfolg anknüpfen will, muss die Ambitionen seiner Fahrer mit dem gemeinsamen Ziel in Einklang bringen, das papayafarbene Auto wieder auf die höchste Stufe des Podiums zu bringen – eine Leistung, die bereits Legenden wie Senna, Prost und Hamilton vollbracht haben.