Während das Fahrerlager dieses Wochenende wieder im Istanbul Park zu Gast ist, lädt FanF1 Sie ein, sieben bedeutende Momente in der Geschichte des Grand Prix der Türkei Revue passieren zu lassen.
Nach einer neunjährigen Pause kehrt die Formel 1 in die Türkei zurück und erweckt die legendäre Rennstrecke Istanbul Park wieder zum Leben. Auf dieser Rennstrecke fanden von 2005 bis 2011 Grand Prix statt und es gab viele denkwürdige Momente. Hier sind die sieben Höhepunkte, die uns am meisten beeindruckt haben.
1. Die Kollision zwischen Vettel und Webber (2010)
Wenn die meisten Menschen an den Grand Prix der Türkei denken, kommt ihnen sofort dieser Vorfall in den Sinn. Mark Webber startete von der Pole Position und führte das Rennen vor Lewis Hamilton und seinem Teamkollegen Sebastian Vettel an. Nach den Boxenstopps kam Vettel hinter Webber zurück auf die Strecke, übernahm aber schnell den zweiten Platz von Hamilton, der einen hervorragenden Start hingelegt hatte. In der 39. Runde holte Vettel Webber auf der Geraden vor Kurve 9 ein, nutzte seinen Windschatten, um sich neben ihn zu setzen, schnitt dann aber zu früh und verursachte eine Kollision zwischen den beiden Autos. Vettel schied aus, während Webber weiterfahren und als Dritter ins Ziel kommen konnte, was McLaren den versprochenen Doppelsieg bescherte. Dieser Vorfall war der Beginn einer erbitterten Rivalität innerhalb des Red Bull-Teams.
2. Erste Poleposition und erster Sieg für Massa (2006)
Nach dem Wechsel von Rubens Barrichello von Ferrari zu Honda beförderte das Team Felipe Massa. Der Brasilianer brauchte etwas Zeit, um sich einzugewöhnen, bewies aber schnell seinen Wert, insbesondere in Indianapolis, wo er führte, bevor er den Sieg an Michael Schumacher abgab, der einen Doppelsieg erzielte. In der Türkei wurde die gewohnte Reihenfolge auf den Kopf gestellt. Massa fuhr eine Runde in 1:26,907, die einzige Zeit unter 1:27 an diesem Wochenende, und sicherte sich damit seine erste Poleposition mit drei Zehntelsekunden Vorsprung vor seinem Teamkollegen Schumacher und Fernando Alonso.
Massa dominierte das Rennen und baute einen Vorsprung von zehn Sekunden auf seinen Teamkollegen aus, bis das Safety Car eingriff, um den Toro Rosso von Vitantonio Liuzzi von der Strecke zu räumen. Beim Boxenstopp verzögerte Massas Tankstopp Schumacher, wodurch der Deutsche einen Platz an Alonso verlor. Die letzten Runden waren geprägt von einem intensiven Duell zwischen Alonso und Schumacher, das allein schon in jede Top-7-Liste hätte aufgenommen werden können. Am Ende lag Alonso vor Schumacher auf dem zweiten Platz, fünf Sekunden hinter einem jubelnden Massa, der seinen ersten Formel-1-Sieg errang, den ersten einer langen Serie.
3. Massas Dominanz in Istanbul (2006-2008)
Drei Rennen in Folge auf derselben Rennstrecke zu gewinnen, ist eine seltene Leistung; nur elf Fahrer haben dies in der Geschichte der Formel 1 geschafft, darunter Legenden wie Fangio, Senna und Hamilton. Felipe Massa schloss sich dieser Elite-Gruppe mit drei Siegen in Folge im Istanbul Park zwischen 2006 und 2008 an. Diese Siege sind sein bestes Ergebnis auf einer einzigen Rennstrecke und unterstreichen seine Beherrschung der türkischen Strecke.
4. Duell Hamilton-Button (2010)
Das Rennen 2010 war nicht nur wegen des Red-Bull-Zwischenfalls unvergesslich, sondern auch wegen des Duells zwischen den beiden McLaren-Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button. Nach der Kollision zwischen den Red Bulls befanden sich die McLarens in einer günstigen Position, um einen Doppelsieg zu erzielen und ihre Hoffnungen auf den Gewinn der Meisterschaft zu stärken. Teamchef Martin Whitmarsh wies sie an, Kraftstoff zu sparen, aber Button, der auf Platz zwei lag, ignorierte diese Anweisung und blieb aggressiv. In der 45. Runde setzte leichter Regen ein, was Button zugute kam.
Hamilton befolgte die Anweisungen des Teams, behielt aber Button im Auge, der schnell näher kam. In der 47. Runde versuchte Button am Eingang zur Kurve 12 ein Überholmanöver auf der Außenbahn und übernahm kurzzeitig die Führung. Hamilton reagierte sofort, überholte Button in der nächsten Kurve und übernahm wieder die Führung. Die McLaren-Boxenmauer beobachtete das Rennen mit Sorge, und die Ingenieure forderten Button erneut auf, sich zurückzuziehen. Die beiden Fahrer blieben bis zum Ende des Rennens Seite an Seite, aber die Reihenfolge änderte sich nie, und Hamilton überquerte in einem spektakulären Grand Prix als Erster die Ziellinie.
5. Barrichellos Rekordstart (2008)
Nachdem die Leistungen von Massa gefeiert worden waren, richtete sich das Augenmerk auf einen anderen brasilianischen Veteranen, Rubens Barrichello. Beim Grand Prix der Türkei 2008 stellte Barrichello einen neuen Rekord in diesem Sport auf: Mit seinem 257. Grand-Prix-Start übertraf er den bisherigen Rekord des Italieners Riccardo Patrese. Der ehemalige Ferrari-Pilot kam in dieser Saison auf weitere 66 Starts, wodurch sich die Gesamtzahl seiner Karriere auf 323 erhöhte. Sein Rekord hielt ein Jahrzehnt lang, bevor er beim Großen Preis der Eifel 2024 von Kimi Räikkönen gebrochen wurde.
Die Straßen von Istanbul waren lange Zeit ein Testgelände, auf dem Karrieren gemacht oder zerstört wurden, und die Grand Prix der Türkei 2005-2006 veranschaulichen diese Dualität perfekt. Im Jahr 2006 saß der damals noch jugendliche Sebastian Vettel zum ersten Mal im zweiten freien Training am Steuer eines BMW Sauber Formel 1. Der Deutsche, noch ein Neuling in diesem Sport, räumte sofort alle Zweifel an seiner Schnelligkeit aus, indem er die Runde in 1:28,091 absolvierte, der besten Zeit des Tages, und damit eine Sekunde schneller war als der spätere Sieger des Rennens, Felipe Massa. Diese Demonstration seiner rohen Geschwindigkeit ließ bereits ahnen, dass er einmal Champion werden würde – ein Versprechen, das sich erfüllte, als er 2011 in Istanbul auf das Podium fuhr, nachdem er von der Pole Position gestartet war, fast das gesamte Rennen angeführt hatte und erst in der letzten Runde Jenson Button die Führung überlassen musste.
Ein Jahr zuvor war dieselbe Rennstrecke Schauplatz des dramatischen Wechsels von Juan Pablo Montoya vom Triumph zur Enttäuschung gewesen. Der Kolumbianer war mit einem Sieg in Silverstone und einem zweiten Platz in Deutschland in Topform in das Wochenende 2005 gestartet und lieferte sich einen erbitterten Kampf um den dritten Platz mit Michael Schumacher und Giancarlo Fisichella. Kimi Räikkönen hatte sich die Pole Position gesichert, während Montoya sich als Vierter qualifiziert hatte. Nach einem reibungslosen Start hatte er nach dem Boxenstopp der Renaults den zweiten Platz übernommen, doch ein Problem mit der Kraftstoffleitung zwang ihn, die Boxengasse vorzeitig zu verlassen, wodurch er wertvolle Sekunden verlor.
Unbeeindruckt davon übernahm Montoya seine Position hinter Räikkönen und schien auf einen Doppelsieg für McLaren zuzusteuern. In der 55. Runde beschädigte er jedoch bei einem aggressiven Überholmanöver gegen Tiago Monteiro seinen Diffusor, wodurch das Auto instabil wurde. Das Problem erreichte seinen Höhepunkt in der vorletzten Runde, als er eine Kurve zu weit nahm und Fernando Alonso ihn überholen und den zweiten Platz erobern konnte. Montoya überquerte die Ziellinie als Dritter, ein Ergebnis, das deutlich macht, wie schnell sich das Glück auf dem gnadenlosen Asphalt von Istanbul wenden kann. Diese beiden Geschichten, die nur eine Saison voneinander trennen, zeigen, wie sehr der Grand Prix der Türkei sowohl als Sprungbrett als auch als Schmelztiegel dient, als Ort, an dem sich rohes Talent entfalten kann und an dem selbst den erfahrensten Fahrern der Sieg entgleiten kann.