Ferrari: Von Grund auf neu aufbauen, um zu triumphieren

Ferrari: Von Grund auf neu aufbauen, um zu triumphieren
Bildnachweis: FanF1

Nach einer katastrophalen Saison 2014 hat sich Ferrari wieder erholt und kämpft nun regelmäßig um Podiumsplätze und Siege neben Mercedes, das die Meisterschaft dominiert. Die tiefgreifende Umstrukturierung der Scuderia trägt bereits Früchte.

Ferrari ist seit langem an Krisenmodus gewöhnt. Die Mystik, die die italienische Marke umgibt, führt dazu, dass selbst ein kleiner Fehler – kein Podiumsplatz, kein Sieg – schnell zu einer echten Tortur werden kann. Seit Kimi Räikkönen 2007 den Fahrertitel gewann, ist die Scuderia auf der Suche nach einer Persönlichkeit, die sie wieder an die Spitze bringen kann. Fünf Saisons lang setzte sie ihre Hoffnungen auf Fernando Alonso, aber eine Reihe von schlechten strategischen Entscheidungen und das dominante Temperament des Spaniers ließen das Projekt schließlich scheitern. Heute, mit Sebastian Vettel am Steuer, scheint der springende Pferd eine Renaissance zu erleben. Die Umgestaltung war sowohl in technischer als auch in managementbezogener Hinsicht tiefgreifend. Die Ankunft von Maurizio Arrivabene war entscheidend für diesen Neuanfang; sein Charisma und sein Know-how in der Formel 1 trugen dazu bei, eine familiärere Atmosphäre zu schaffen, die seit Jahren gefehlt hatte. Die kürzlich erfolgte Vertragsverlängerung von Kimi Räikkönen für die nächste Saison unterstreicht Arrivabenes Bestreben, einen echten Teamgeist zu schaffen, wobei er sich auf den letzten Weltmeister als symbolische Galionsfigur stützt.

Während Alonso die Schlagzeilen zu dominieren schien, erkannte Vettel, genau wie Schumacher in seiner Blütezeit, schnell, dass das Ferrari-Emblem über jedem individuellen Ego stand. Seine kurzen Kommentare auf Italienisch nach den Rennen verdeutlichen seinen Willen, sich in das Team zu integrieren.

Der Verdienst dafür gebührt auch James Allison, dem technischen Direktor dieser neuen Ära. Trotz eines deutlichen Leistungsdefizits beim Motor hat er ein gut ausbalanciertes und gut konstruiertes Auto entwickelt, mit dem die Fahrer ohne Angst vor Rückschlägen angreifen können. Der SF15-T ist vielleicht nicht die aerodynamisch effizienteste Maschine, aber sein neutrales Handling macht ihn sehr angenehm zu fahren. Nachdem Ferrari sich praktisch von Grund auf neu aufgebaut hat, kann das Team auf eine durchweg positive erste Saisonhälfte zurückblicken. Auch wenn es unrealistisch wäre, zu erwarten, dass Vettel und Räikkönen die Mercedes von Lewis Hamilton und Nico Rosberg systematisch übertreffen, hat das Duo alle sich bietenden Gelegenheiten genutzt und dem gesamten Team auf bemerkenswert schnelle Weise neues Selbstvertrauen gegeben.