Da während der Winterpause und während der gesamten Saison weniger Testfahrten stattfinden, fehlt der Formel 1 ein klarer Bezugspunkt. Das Testverbot, das vor Jahren aus finanziellen Gründen aufgehoben wurde, schadet heute zunehmend allen Akteuren dieses Sports, da es die Entwicklung der Spitzentechnologien, auf die sie angewiesen sind, erschwert.
Seit Beginn der 2010er Jahre wurde das Verbot privater Testfahrten während der Saison nicht in Frage gestellt, und die Anzahl der Testtage im Winter nimmt von Jahr zu Jahr ab. Da immer weniger Zeit auf der Rennstrecke zur Verfügung steht, sind die Teams gezwungen, das Beste aus dem zu machen, was sie haben, und einige gehen sogar so weit, sich gegen eine Regel zu stellen, die sie zuvor unterstützt haben. Ron Dennis beispielsweise kann nicht umhin, sich zu fragen, wie das Schicksal von McLaren hätte anders verlaufen können, wenn das Team seinen Honda-Motor zwischen den Grand Prix auf jeder Rennstrecke hätte einsetzen dürfen, was ihm eine echte Chance gegeben hätte, wettbewerbsfähig zu werden.
Als das Argument der Wettbewerbsfähigkeit nicht ausreichte, berief sich Pirelli, der einzige Reifenlieferant des Sports, auf die Sicherheit und argumentierte, dass mehr Tests erforderlich seien, um seine Produkte weiterzuentwickeln. Die FIA reagierte darauf, indem sie dem italienischen Unternehmen zwei Tage Reifentests auf einer Rennstrecke seiner Wahl gewährte, wobei drei Spitzenmannschaften ein Jahr alte Autos einsetzten, damit kein Team einen direkten Leistungsvorteil hatte.
Diese seltenen Testfahrten haben bereits Früchte getragen: Pirelli nutzte die Gelegenheit, um die Reifen für 2017 für nasse Bedingungen zu optimieren, indem es auf dem Paul Ricard, einem Standort, der zu einem spezialisierten Testgelände geworden ist, eine kontrollierte Regenbahnumgebung schuf.
Die Seltenheit privater Testfahrten hat auch zu einem konservativeren Ansatz bei den Teams geführt, die dazu neigen, die gleichen Fahrerduos von einer Saison zur nächsten beizubehalten, wie wir 2015 und 2016 gesehen haben. Erfahrene Fahrer wie Fernando Alonso, Jenson Button und Kimi Räikkönen sind bei den Top-Teams nach wie vor sehr gefragt, die zögern, Erfahrung durch Jugend zu ersetzen, selbst wenn dies bedeutet, vielversprechende Talente wie Kevin Magnussen und Stoffel Vandoorne bei McLaren zu vernachlässigen.
Das Fehlen von Testfahrten hat also sowohl Vor- als auch Nachteile. Die Verantwortlichen scheinen jedoch bereits eine Entscheidung getroffen zu haben, sodass die Aussicht auf mehr Testfahrten während der Saison für einige Optimisten nur ein Wunschtraum bleibt.