Viele Beobachter betrachten die Saison 1976 als die größte in der Geschichte dieses Sports, und die intensive Rivalität zwischen Hunt und Lauda in Verbindung mit einem sehr vielfältigen Teilnehmerfeld hat sie in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Die Formel-1-Saison 1976 war weniger ein Wettkampf zwischen Maschinen als vielmehr ein Aufeinandertreffen von Persönlichkeiten, eine Mutprobe, die sich auf einer äußerst vielfältigen Startaufstellung abspielte. Mit rund dreißig Fahrern, die im Laufe des Jahres den Sitz und das Team wechselten, glich die Meisterschaft eher einer Drehtür als einer festen Liste. In einer Woche sah man auf der Startaufstellung ein Experiment auf sechs Rädern, in der nächsten Woche einen brüllenden V12, während ein drittes Auto einen V8 unter einem eleganten Chassis verbarg – jedes Auto war Ausdruck eines einzigartigen technischen Ambitions.
Diese Vielfalt bereitete den Boden für ein Drama, das den Sport bis heute verfolgt. Ronnie Peterson beispielsweise begann das Jahr in einem Lotus und beendete es in einem March, dem Auto, das später in Italien den Sieg davontragen sollte. Aber es war die Geschichte von Niki Lauda, die Schlagzeilen machte. Nach einer dominanten Saison 1975 blieb der Österreicher bei Ferrari, entschlossen, seinen Titel zu verteidigen, während ein hungriger James Hunt zu McLaren kam und eine Rivalität versprach, die legendär werden sollte.
Die Saison begann mit einem Lauda in Hochform, der Siege in Brasilien und Südafrika einfuhr, während Hunt die Rückkehr der Grand Prix nach Europa mit einem Sieg in Jarama, Spanien, feierte. Dieser Triumph war jedoch von Kontroversen überschattet: Hunts McLaren wurde zunächst für illegal erklärt, ihm wurde die Trophäe aberkannt und erst nach heftigen Protesten seines Teams wieder zuerkannt. Ein ähnlicher Streit entbrannte einige Wochen später in Brands Hatch, wo eine riesige Karambolage in der ersten Kurve die Offiziellen dazu zwang, zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Formel 1 die rote Flagge zu schwenken. Hunt, der vom Neustart ausgeschlossen worden war, sah, wie die Gesänge der Menge die Rennkommissare dazu zwangen, ihre Entscheidung zu überdenken, sodass er wieder an den Start gehen und schließlich den führenden Ferrari überholen konnte, um einen Heimsieg zu erringen, der später aberkannt wurde, da er beim Neustart nicht hätte dabei sein dürfen.
Während die britischen Fans in Ekstase waren, fand der wahre Nervenprobe auf der Nürburgring-Nordschleife statt, der 22 Kilometer langen „Grünen Hölle”, die auf dem Kalender stand. Lauda, der die Strecke im Vorjahr in weniger als sieben Minuten umrundet hatte, bat darum, das Rennen nach einer Nacht mit sintflutartigen Regenfällen abzusagen. Die Fahrer und FIA-Offiziellen stimmten dafür, das Rennen stattfinden zu lassen, und in der zweiten Runde erlitt sein Ferrari einen katastrophalen Defekt. Das Auto prallte gegen die Leitplanke, fing Feuer und Lauda war in dem brennenden Wrack gefangen. Seine Fahrerkollegen eilten ihm zu Hilfe und befreiten den Champion aus der Hölle, bevor die Ärzte ihn mit schweren Verbrennungen im Gesicht und an der Lunge ins Krankenhaus brachten. Er erhielt die letzte Ölung, überlebte jedoch und tauchte einige Wochen später bandagiert, aber unversehrt wieder auf, um in Monza den vierten Platz zu belegen und damit seine Titelhoffnungen aufrechtzuerhalten.
Der Kampf um die Meisterschaft verlagerte sich nun auf James Hunt, dessen McLaren, der schließlich für legal erklärt wurde, einen Sieg nach dem anderen einfuhr und zahlreiche Podiumsplätze erzielte. Als das letzte Rennen der Saison in Japan näher rückte, war der Titel noch immer ungewiss. Der unaufhörliche Regen, der auf Fuji niederprasselte, verwandelte die Strecke in einen tückischen Schlammpfad, und die meisten Fahrer stimmten dafür, das Rennen zu boykottieren. Fernsehverträge und der Druck der Medien zwangen die Organisatoren jedoch, die Veranstaltung durchzuführen. Während an der Startlinie Chaos herrschte, fuhren mehrere Autos aus Protest in die Boxengasse. In der Ferrari-Garage stieg Lauda aus seinem Auto aus, eine Geste, die sowohl Kritik als auch Bewunderung hervorrief und sich letztendlich als entscheidend erwies. Das folgende Duell im Regen sollte entscheiden, ob die Saison der eisernen Entschlossenheit des Österreichers oder dem flammenden Mut des britischen Fahrers gehören würde.
Das Rennen entwickelte sich zu einer Demonstration der Widerstandsfähigkeit, als James Hunt, der plötzlich ohne Niki Lauda als Hauptkonkurrenten dastehte, erkannte, dass nur noch das Podium der Weg zur Meisterschaft war. Im Laufe der Runden übernahm der McLaren mit der Nummer 11 die Führung, und für einen Moment schien der Titel bereits sicher zu sein. Doch die bis zum Äußersten beanspruchten Reifen des Autos zwangen Hunt nur fünf Runden vor dem Ziel zu einem unerwarteten Boxenstopp. Es folgte eine verbissene Aufholjagd im Feld. Hunts Team beeilte sich, die zerfetzten Reifen zu ersetzen, während der Fahrer Kurve für Kurve kämpfte und sich langsam nach vorne arbeitete, während die Führenden schwächelten. Als er die Ziellinie überquerte, teilte kein anderer Konkurrent seine genaue Position, was das Chaos verdeutlichte, das er durchgemacht hatte.
In der McLaren-Garage bat der erschöpfte Hunt um etwas zu trinken, ohne sich des Ausmaßes seiner Leistung bewusst zu sein. Erst als die Offiziellen das Endergebnis bekannt gaben, wurde ihm die Realität bewusst: Sein Comeback hatte ihm nicht nur einen Platz auf dem Podium gesichert, sondern ihm auch ermöglicht, seinen Teamkollegen um einen einzigen Punkt zu überholen und damit die Meisterschaft auf die spektakulärste Weise der Saison zu gewinnen.